Stell dir vor:
Du sitzt morgens auf dem Weg zur Arbeit im Auto, der Kaffee steht im Becherhalter, die Playlist läuft – und plötzlich fällt dir auf: Du hast seit zehn Minuten kein einziges Mal gebremst, gelenkt oder beschleunigt. Das Auto fährt einfach… selbst.
Klingt nach Zukunftsmusik?
Nicht mehr unbedingt. Autonomes Fahren ist längst kein Science-Fiction-Thema mehr – sondern real, greifbar und teilweise schon Alltag. In den USA rollen die ersten Taxis ganz ohne Fahrer durch die Straßen. Und auch in Deutschland hat sich einiges getan: Assistenzsysteme, teilautonome Staufunktionen und sogar erste Teststrecken gibt es schon.
Doch was heißt eigentlich „autonom fahren“ genau?
Und wo stehen wir heute – technisch, rechtlich, praktisch?
In diesem Artikel geben wir dir einen Überblick über die Klassifizierung autonomer Fahrfunktionen von Level 0 bis 5, erklären wo was erlaubt ist und welche Einschränkungen es (noch) gibt.
Die 6 Stufen des autonomen Fahrens (SAE-Level)
Autonomes Fahren wird nach der SAE-Norm in sechs Stufen eingeteilt – von Level 0 (kein System) bis Level 5 (vollautonom). Hier ein Überblick:
Level 0 – Keine Automatisierung
Keine unterstützenden Systeme. Alles – Gas, Bremse, Lenkung – übernimmt der Fahrer. Auch wenn moderne Fahrzeuge mit ABS, ESP oder Bremsassistenten ausgestattet sind: Diese Systeme zählen nicht als autonome Funktionen.
Level 1 – Assistiertes Fahren
Ein System übernimmt entweder Gas/Bremse (z. B. Tempomat) oder Lenkung (Spurhalteassistent). Der Fahrer bleibt aber jederzeit in voller Kontrolle. Ein Beispiel: Der Tempomat hält die Geschwindigkeit, aber du musst selbst lenken und bremsen.
Level 2 – Teilautomatisiertes Fahren
Hier übernimmt das Fahrzeug gleichzeitig Gas/Bremse und Lenkung – z. B. beim adaptiven Tempomaten mit aktivem Spurhalteassistent. Aber: Du musst die Hände am Lenkrad behalten und ständig aufmerksam sein. Es ist eher eine „Fahr-Erleichterung“, keine Selbstständigkeit.
Level 3 – Hochautomatisiertes Fahren
Jetzt wird’s interessant: Das Auto übernimmt alle Fahraufgaben – aber nur in bestimmten Situationen (z. B. Stau auf der Autobahn). Du darfst sogar kurz das Handy nutzen oder lesen – musst aber auf Abruf wieder eingreifen können.
In Deutschland ist das tatsächlich erlaubt: Mercedes bietet mit dem „Drive Pilot“ bereits ein Level-3-System an, das im fließenden Verkehr bis zu 95 km/h auf bestimmten Autobahnabschnitten autonom fahren darf.
Einschränkungen bei Level 3:
- Nur auf freigegebenen Strecken (Autobahnen)
- Nur bei gutem Wetter und klarer Fahrbahnmarkierung
- Der Fahrer muss auf Abruf eingreifen können
Level 4 – Vollautomatisiertes Fahren (mit Einschränkung)
Hier übernimmt das Auto alle Aufgaben komplett – du brauchst nicht mehr eingreifen. In einem bestimmten „Betriebsbereich“ (z. B. Innenstadt, Autobahn, Shuttle-Strecke) kann es alleine fahren, sogar ohne Lenkrad.
Wenn das System die Situation nicht mehr bewältigen kann (z. B. bei Schnee), parkt es sich selbstständig sicher.
Level 5 – Vollautonomes Fahren (überall, jederzeit)
Das Auto braucht weder Lenkrad noch Pedale. Kein Fahrer, keine Aufsicht, kein Eingreifen – das ist echtes „Roboterauto“-Niveau. Aktuell gibt es das noch nicht im Alltag, aber in einigen Testumgebungen wird es bereits erprobt.
Einschränkungen bei Level 3–5
Obwohl die Technik beeindruckend ist, gibt es noch Grenzen:
- Wetterprobleme: Starkregen, Schneefall oder Nebel können Sensoren blockieren – dann schalten Systeme ab.
- Streckenzulassungen: Autonomes Fahren ist oft nur auf bestimmten Strecken erlaubt (Autobahn, bestimmte Städte).
- Sicherheitslogik: Fahrzeuge dürfen nur dann autonom agieren, wenn alle Bedingungen erfüllt sind – sonst fährt der Mensch.
Autonom unterwegs in den USA
In den USA ist autonomes Fahren schon Alltag:
- In San Francisco, Phoenix und Los Angeles fahren die ersten Robotaxis ganz ohne Fahrer – z. B. von Waymo oder Cruise.
- Nutzer können per App einsteigen, Ziel eingeben – der Rest läuft von allein.
- Das funktioniert aber nur auf freigegebenen Strecken mit guter Infrastruktur und meist bei gutem Wetter.
🇩🇪 Und wie sieht’s in Deutschland aus?
- Seit 2021 ist autonomes Fahren nach Level 4 unter bestimmten Bedingungen gesetzlich erlaubt – etwa für Shuttles oder Lieferfahrzeuge in definierten Zonen.
- Mercedes Drive Pilot (Level 3) ist zugelassen – auf Autobahnen bis 95 km/h.
- Und: Wer in den letzten Jahren schon einmal von München aus nördlich gefahren ist, hat es vielleicht bemerkt – die A9 zwischen München und Ingolstadt war bereits 2015 Deutschlands erste Teststrecke für autonomes Fahren. Dort testen Hersteller seither neue Technologien wie präzises GPS, digitale Straßeninfrastruktur oder Car2X-Kommunikation.
Fazit: Es kommt – aber Schritt für Schritt
Autonomes Fahren entwickelt sich rasch – aber auch mit Bedacht.
In bestimmten Situationen ist es schon heute Realität (Level 3). Komplett autonom (Level 5) wird noch dauern – vor allem wegen Technik, Wetter und Recht.
Als Werkstatt finden wir das Thema spannend, denn je mehr Elektronik im Auto steckt, desto wichtiger wird es, dass alles reibungslos funktioniert – Sensoren, Kameras, Software. Und natürlich stehen wir dir auch dann zur Seite, wenn dein (noch nicht autonomes) Auto mal klassische Probleme hat.
Wenn du Fragen hast zu Assistenzsystemen, Sensor-Wartung oder wie du dein Fahrzeug fit machst für die Zukunft – sprich uns gern an!
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